REVIEW 008: Eks und Hop – Petrus und Pathe EP (Free Download)


Eks-und-Hop-Petrus-und-Pathe-Frontcover

Gut Ding will Weile haben. Und während eine Vielzahl der aktuellen Downloads schnell durchgehört und wieder abgehakt werden kann, schreiben die Wuppertaler Eks & Hop aka Petrus und Pathe “zusammen jetzt schon 10 Jahre Geschichte”. Das heißt zunächst wenig, denn manche Musiker schrieben auch mal gerne eine Dekade an der falschen Geschichte oder verlieren den roten Faden ihres gut gemachten Anfangs. Sind Eks & Hop aus anderem Holz geschnitzt oder heißt es  auch hier durchgehört und dann ex und hopp im Sinne von abgehakt?

“Wir steh’n für alte Werte wie für Ehre und Stärke, doch treffen in den meisten Köpfen nur auf gähnende Leere”

Mit dem Titelgebenden Song “Eks & Hop” stellen sich Eks & Hop netterweise erst einmal vor. Das erledigen die beiden nicht nur reimtechnisch gekonnt, sondern zeigen trocken und direkt ihre ganze Routine auf einen Ohrwurm Beat von Epic Infantry. Das Produzenten Duo aus Wu-Tal bietet darauffolgend gleich das nächste musikalische Brett für “Damals”, zu dem es auch ein sehenswertes Video gibt. Auf dem Track werden die nicht weniger routinierten Stadtkumpanen Sinuhe und Prezident gefeatured. Das funktioniert, wer hätte es nicht gedacht, verdammt gut. Prezident kümmert sich solide um die Hook, während Petrus, Pathe und Sinuhe jeweils einen top Part abliefert. Da war es keine falsche Entscheidung, genau zu diesem Track ein Video zu drehen.

“Das gleiche Team seit Jahr’n – Wuppertaler Veteranen – 60 Jahre Rap Erfahrung kommt zusammen in den Bars”

In “Gerede” wird genau das verarbeitet, was der Titel andeutet. Und diese verarbeitete Aussage wiederum ist ehrlich, direkt und auf den Punkt gebracht. Das Gleiche gilt für den melodisch-ruhigen Beat. Auch hier zeichnen sich wieder Epic Infantry verantwortlich. Zu “Gerede” wurde übrigens ebenfalls ein Video gedreht:

Ging es die ersten drei Tracks eher ruhiger zu, so wird jetzt der musikalische Boxhandschuh ausgepackt. Zusammen mit den Kamikazes stehen Eks & Hop “Schulter An Schulter” und ziehen die Battle Kappe auf. Der Beat von Undress dazu kommt, ebenso wie diese MC Kombination und die Thematik, mit Pauken und Trompeten. DJ Jefkoe rundet das ruffe Dream Team ab und cuttet lauter böses Zeug.

Zurück zu den ruhigeren Tönen bzw. in eine “Heile Welt”. Die hypnotischen Celle- und Streichertöne untermalen sehr erdrückend die Ironie des Titels, denn die Welt, die Eks & Hop hier beschreiben, hat nichts mit Sommer, Strand, Sonne und All Inclusive zu tun. Am Beat saßen ein weiteres Mal Epic Infantry – gewohnt gut.

“Komm ich zeig dir eine Welt, in der die Menschen unter Brücken schlafen, Aussichten beschissen sind, wenn Lebensläufe Lücken haben”

“Psychodriete” ist der musikalische Spiegel, den Eks & Hop dem Hörer vorhalten möchten: Probleme, Geldsorgen und ganz unten sein sowie die seltenen Höhen des Lebens – Eks & Hop wissen wovon sie reden und teilen sich auf einem Patchworks Beat so eindrucksvoll mit, als äußerten sie das alles zum ersten Mal. Vielleicht ist es auch so. Der Beat ist einer dieser Akustikgitarren Beats auf dieser EP, die von Epic Infantry hätten sein können. Das sei erst einmal wertfrei dahingestellt.

“Toast und Salami im Magen und einen Stein in der Brust”

Jeder Track ist bisher im Grunde ein wenig Story Telling gewesen. Aber “Murmeltier” treibt das bisher Dagewesene auf die Spitze und beschreibt sehr bildlich-sarkastisch die jeweiligen Arbeitstage von Eks & Hop. Vom nicht gerade angenehmen Aufstehen über den schlauchenden Arbeitstag bis hin zum Feierabend – man ist als Hörer mittendrin statt nur dabei. Produziert hat Jay Baez und dieser Beat könnte ein Patchworks Beat sein, der nach Epic Infantry klingt. Das ist erneut erst einmal wertfrei dahingestellt.

Nicht ganz so wertfrei ist der achte und letzte Track der EP zu sehen bzw. hören. AKD´s Dubstep Remix von “Heile Welt” ist aus zweierlei Gründen überflüssig oder für mich zumindest problematisch: Erstens – und das ist oft der Genickbruch eines Remixes – ist das Original schon gut genug, sogar besser. Zweitens kommt der Remix zwar aggressiver daher und verleiht den Texten von Eks & Hop eine düsterere Atmosphäre, aber der Synthie Beat reißt den Hörer irgendwie unsanft aus der melodischen Epic-Patchworks-Baez-Welt. Ein musikalischer Krieg der Welten sozusagen.

FAZIT

Angedeutet habe ich es schon öfter, nun legen wir die Karten mal auf den Tisch: Die EP gefällt mir ausgesprochen gut und das liegt zum Großteil an den Beats. Diese sind sehr musikalisch und “gefüllt”: Viele Instrumente treffen auf intelligent gesetzte Drums und Percussions. Der angedeutete Haken an der Beat-Wahl ist allerdings, dass alle Produktionen unabhängig von den Produzenten aus einem Guss klingt. Petrus und Pathe bewiesen mit den ausgesuchten Beats einen auffälligen Hang zu gezupften Akustikgitarren und Flötentönen. Darunter leidet die Abwechslung ein wenig.

Der inhaltliche Duktus umfasst das nicht allzu angenehme Leben in Wuppertal, möchte man es ganz aber auch wirklich ganz gang platt auf die Essenz reduzieren. Daran ist an sich nichts auszusetzen, aber der ein oder andere hat sich da schon an Prezident und den Kamikazes sattgehört. Dass Eks & Hop trotzdem erfolgreich über den Wuppertellerrand schauen, merkt man an den zahlreichen Vergleichen und Lebensweisheiten. So kann sich auch der Nicht-Wuppertaler einige Scheiben abschneiden. Einfach, weil dat Dingen hier so ehrlich und wahr is.

Der Sound der EP ist sauber und das ist so vollen Beats nicht zu unterschätzen. Das gleiche gilt für die Stimmen. Lässt sich auf dem MP3 Player und ranzigen Laptoplautsprechern gleichermaßen vernünftig anhören.

Die Fotos für das Cover hat geknipst und die Dame scheint mir halb Wuppertal vor die Linse geholt zu haben. Zumindest die an “Petrus & Pathe” beteiligten Musiker wurden alle schon mehr als einmal von k.pictures abgelichtet, woraus dann Albencover entstanden sind. Das Artwork von Levent Bulut ist im positiven Sinne rapklischeemäßig: Schwarz-weiß-Fotos mit weiß-roter Schrift – so gesehen alles richtig gemacht, weil das immer funktioniert. Zumal es die Stimmung der EP sehr gut einfängt

Alles in allem ist die Spiellänge zu kurz geraten. So qualitativ hochwertigen Rap wünsche ich mir in Zukunft auf Albumlänge und dann auf keinen Fall als Free Download. Das Ding hier plus drei, vier Tracks mehr hätte in jedem Fall den ein oder anderen Euro in die Eks & Hop Kasse gespielt. Man darf auf die nächsten 10 Jahre gespannt sein.

BEWERTUNG

esk-hop-petrus-pathe-rating

4,5 / 5

 


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Eks-und-Hop-Petrus-und-Pathe-Backcover


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